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Ausloten, vermessen und einfach tun

Ausloten, vermessen und einfach tun
Ausloten, vermessen und einfach tun

LIMBURG.- Mit einem Zollstock hat Professor Dr. Rainer Krockauer, von der Katholischen Hochschule NRW, das Werkstattgespräch zum Thema Ausloten von Ausgangspunkten und Vermessen gemeinsamer Optionen eröffnet. Rund 30 Mitarbeiter aus Pastoral und Caritas sind der Einladung zu einem ersten Werkstattgespräch gefolgt, um die Diakonische Pastoral im Bistum Limburg weiterzuentwickeln. Als Impulsgeber für den Nachmittag, konnte Krockauer seine Erfahrungen als Pastoralreferent und Theologe sowie seine Lehrtätigkeit für Soziale Arbeit gleichermaßen einbringen.

Aktuelle Umbruchsituation ist Kairos

Am Anfang stand die Vergewisserung der unterschiedlichen Ausgangspunkte des diakonischen Handelns bei den Mitarbeiter aus Pastoral und Caritas. Deren gemeinsame Herausforderung wird es sein, im Prozess der Kirchenentwicklung die Diakonische Pastoral weiterzuentwickeln. Gemeinsam gälte es, sich den Fragen zu stellen: Wozu und für wen sind wir heute da? Und was kann Kirche zum Wohle aller einbringen? Wie kann es gelingen in Kontakt zu kommen zu den "Bedrängten aller Art". Für Krockauer ist die aktuelle Umbruchssituation in Kirche ein Kairos, an dem sich Mitarbeiter der gemeindlichen und caritativen Diakonie finden. "Die Verständigung über den Geist, die Haltungen und Denkrichtungen wiederum verbindet Akteure in caritativer und pastoraler Diakonie und schafft Voraussetzungen für eine gemeinsame Handlungsbasis."

Kirche wird durch Diakonie und durch Diakonie wird in Caritas Kirche

Beispielprojekte und Ermutigungen, sowohl im Blick auf die Vernetzung unterschiedlicher Akteure, wie auch im Hören auf die Erfahrungen und Bedürfnisse der Menschen, steuerten die Teilnehmer selbst aus den unterschiedlichen Bereichen bei. Sei es im Rahmen eines ökumenischen Mittagstisches in Dillenburg, aus einem schicken Kleidercafé in Frankfurt-Sachsenhausen oder aus den auch Hilfenetzwerken verschiedener Frankfurter Stadtteile. Durch sozialraumorientiertes Handeln entstehen Orte kirchlichen Lebens oder wie Krockauer zugespitzt im Blick auf die unterschiedlichen Professionen hin formuliert: "Kirche wird durch Diakonie und durch Diakonie wird in Caritas Kirche."

Von Diakonische Pastoral 3.0 zu 4.0

Diakonische Pastoral habe sich in verschiedenen Schritten stets weiterentwickelt, erläuterte Krockauer. Die aktuelle Situation bezeichnete er als "Diakonische Pastoral 3.0" und nun sei die Herausforderung, die "Diakonische Pastoral 4.0" zu gestalten. Gleichzeitig riet er, man solle sich nicht mit dem "Begriffssalat" aufhalten, wie man das Handlungsfeld nenne, sondern sich lokal verständigen, worüber man spreche. "Reden Sie nicht nur über Diakonie, tun Sie es einfach" ermutigte der Professor, der sich bereits seit über 30 Jahren mit dem Thema beschäftigt. "Ratsam und heilsam sind der Mut zu einer gelassen-frohen Exemplarität und zu einer fragmentarisch-exemplarischen Pastoral in Gemeinde/Verband und Caritas", so Krockauer weiter.

In dem Werkstattgespräch sah er einen guten Auftakt für einen solchen Prozess im Bistum Limburg und in den genannten Beispielen und dem gezeigten Interesse und Engagement der Teilnehmer gute Voraussetzungen. Diese sammelten am Ende des Werkstattgespräches Ideen und Ansätze und formulierten Bedarfe an Rahmenbedingungen zur Stärkung und Weiterentwicklung der Diakonischen Pastoral im Bistum. Dabei wurde beispielsweise der Wunsch nach Fortbildungs- und Reflexionsangeboten geäußert, auf die Notwendigkeit der Verknüpfung mit Lokaler Kirchenentwicklung hingewiesen und angemerkt, dass das Verhältnis bzw. die (neuen) Rollen von Haupt- und Ehrenamtlichen in den Blick genommen werden müssten. Einigkeit herrschte darüber, dass der Austausch, die Vernetzung verschiedener Arbeitsbereiche und Berufsgruppen sowie wechselseitige kollegiale Beratung weiterbetrieben werden müsse - und die Werkstatt hierfür nur der Auftakt gewesen sein könne.