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Ehrenamtsentwicklung nicht von Kirchenentwicklung zu trennen

Fachgespräch Ehrenamt im Haus am Dom Frankfurt
Ehrenamtsentwicklung nicht von Kirchenentwicklung zu trennen
Ehrenamtsentwicklung nicht von Kirchenentwicklung zu trennen
© Bistum Limburg

Mit einem Fachgespräch "Ehrenamt" hat die Netzwerkgruppe einen weiteren Schritt zur Weiterentwicklung einer Ehrenamtskultur im Bistum Limburg realisiert. Der Auftrag und die Fragestellung, welche Instrumente der Ehrenamtsförderung sich an anderen Orten bewähren, resultierte aus einem gemeinsamen Workshop von Haupt- und Ehrenamtlichen, der sich im vergangenen Jahr mit dem Fokus Ehrenamt im Themenbereich Kirchenentwicklung beschäftigte. Der Thematik entsprechend, den Lernprozess als gemeinsames Unterwegssein von Haupt- und Ehrenamtlichen zu begreifen, traf sich eine gemischte Gruppe Hauptberuflicher und ehrenamtlich Engagierter aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen im Haus am Dom in Frankfurt. Als Impulsgeberinnen und Gesprächspartnerinnen, die bereits auf eine längere Erfahrung in dem Themenfeld zurückblicken können, standen Frau Tholl, die Leiterin des Arbeitsbereiches Ehrenamt im Bistum Trier, sowie Frau Wittmeier, Referentin an der Ehrenamtsakademie der EKHN, zur Verfügung. "Im Mittelpunkt der Ehrenamtsförderung steht immer die Person mit ihren Begabungen und Kompetenzen und nicht die Funktion, für die jemand gesucht wird", betont die Referentin aus dem Bistum Trier. Ehrenamtsförderung setze nicht auf Erfüllungsgehilfen in Zeiten von Personalknappheit, sondern auf die Ermöglichung gemeinsam Volk Gottes mit einer gemeinsamen Sendung zu sein. Deshalb ist eine Ehrenamtsentwicklung nur im Zusammenspiel von Kirchenentwicklung und der Weiterentwicklung der Berufsrollen Hauptamtlicher in der Kirche denkbar. Die künftige Professionalität hauptamtlich pastoraler Mitarbeiter in der Kirche zeigt sich dann auch an der Ermöglichung des Engagements der Getauften und Gefirmten.

Erfolgreiche Instrumente der Ehrenamtsförderung gibt es bereits

Die Evangelische Landeskirche Hessen und Nassau verabschiedete bereits 2003 ein Ehrenamtsgesetz, das Anstoss zur Gründung einer Ehrenamtsakademie gab, die mit der Entwicklung und Förderung des Ehrenamtes betraut ist. In Trier ist man bereits seit 6 Jahren mit einer strategischen Ehrenamtsentwicklung unterwegs, die auf Bistumsebene angesiedelt und mit deutlicher personeller Ressource ausgestattet ist. Neben der Unterstützungsleistung durch das Bistum macht sich Michaela Tholl stark für die Einführung von Ehrenamtsbeauftragten (KoordinatorInnen), die auf Ebene der neuen Pfarreien Kompetenzen, Gaben und Engagementfelder vor Ort koordinieren. Ehrenamtliches Engagement bedarf darüber hinaus im konkreten pastoralen Arbeitsfeld eines verlässlichen Ansprechpartners im Pastoralteam. Neben den aufgeführten Instrumenten ist letztlich der politische Wille ausschlaggebend, der sich an einer verbindlichen Erklärung und Rahmensetzung für das ehrenamtliche Engagement ablesen lässt.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Ehrenamtliche?

Der Freiwilligen Survey der Bundesregierung hat festgestellt, dass sich 43 Prozent der Menschen in Deutschland ehrenamtlich engagieren. Wer sich engagiert, fragt aber zur Recht, was das Engagement für die persönliche Entwicklung bringt und welche Rahmenbedingungen das Engagement ermöglichen. Ehrenamtliche Tätigkeit in Kirche ist zuallererst die Chance für jeden Menschen eigene Kompetenzen zu entdecken und einzubringen. Damit dieser gemeinsame Dienst ermöglicht wird, bedarf es ganz praktischer Regelungen, beispielsweise für eine Erstattung von Fahrt- und Fortbildungskosten, die Möglichkeit an Supervision und Exerzitienangeboten teilzunehmen bis hin zu klar verabredeten Rollen und der Entwicklung einer guten Verabschiedungs- und Dankeskultur. Zu einem gut bestellten Haus zählt die evangelische Referentin, Ina Wittmeier, aber auch Fragen des Versicherungsschutzes, Datenschutzes, Arbeitsschutzes, des Kinder- und Jugendschutzes sowie der Prävention.

Gute Erfahrungen mache man in der Evangelischen Kirche auch mit einer Clearingstelle, die unterschiedliche Bedarfe von Ehrenamtlichen annimmt und an die passenden Unterstützungssysteme weitervermittelt. Darunter auch ein Ombutsmann für Konflikte zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.

Das ökumenische und überdiözesane Fachgespräch war ein gelungener Tag für alle Beteiligten. Die spannenden und breitgefächerten Erkenntnisse aus dem Fachgespräch gilt es nun für die Netzwerkgruppe zusammenzufassen und für die Weiterarbeit zu gewichten. (Gorges-Braunwarth/clm)