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Leidenschaftlich Kirche sein
Leidenschaftlich Kirche sein
© Mann/Bistum Limburg

Leidenschaftlich Kirche sein

Christian Hennecke wirbt für einen grundlegenden Perspektivenwechsel

Sich aus Leidenschaft für das Evangelium für Menschen einsetzen und so Kirche sein. Dazu hat der Hildesheimer Theologe Christian Hennecke Christen bei seiner Fastenpredigt am Sonntag, 25. Februar, im Limburger Dom aufgerufen. „Es braucht Leidenschaft, damit Neues entsteht. Vor allem aber braucht es jene Leidenschaft für Menschen und den Einsatz für sie und mit ihnen, damit Kirche entsteht“, sagte der Leiter der Hauptabteilung Pastoral im Bistum Hildesheim. Wie der Apostel Paulus müssten sich Gläubige in radikaler Weise auf die Menschen einlassen. Nur wer sich in den Spuren Gottes und den Spuren Jesu wisse, könne Menschen die Erfahrung ermöglichen, wie verwandelnd die Liebe Gottes sein könne. Hennecke sprach zum Thema „Mit Leidenschaft Kirche sein“. Domkapitular Georg Franz feierte den Gottesdienst.

Kirche besteht aus Menschen

Vieles, was heute über die Kirche und deren Zukunft gesagt werde, - beispielsweise, dass die Kirche schrumpfe und nicht mehr alle Menschen erreichen könne - habe mit dieser Leidenschaft für das Evangelium nichts zu tun. „Man vertauscht die Strukturen und die Dienstebene mit dem, worum es eigentlich geht. Es geht nämlich nicht zuerst um Geld, es geht nicht zuerst um Amt oder Struktur, sondern es geht um das Leben dieses Leibes und die Leidenschaft der Menschen, die Kirche sind“, sagte Hennecke. „Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, eine Gemeinschaft von Ungleichen, eine Gemeinschaft von Unähnlichen.“ Sie entstehe und wachse überall dort, wo Menschen diese Leidenschaft lebten. „Diese Erfahrung gibt es in unserem Land immer mehr: Menschen, die von Leidenschaft gepackt, neue Formen, neue Wege der Verkündigung wählen und Gemeinschaft daraus entstehen lassen.“ Kirche, die so gelebt werde, sei vielfältig und unterschiedlich, wirksam und kraftvoll. Kirchenentwicklung beginne mit dieser Leidenschaft für das Evangelium.

Es geht nicht um die Kirche, sondern um die Welt

In Anlehnung an den protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer betonte Hennecke, dass eine  Erneuerung der Kirche nicht bedeute, die eigenen Nöte, Fragen und Ängste zu thematisieren, sondern sich auf den Weg Jesu einzulassen. Christen dürften nicht ängstlich an den eigenen Bestand denken, sondern müssten sich einsetzen und riskieren. Erneuerung meine außerdem nicht allein eine Erneuerung von Kirche, sondern Erneuerung der Welt. „Es geht gar nicht um die Kirche, es geht um die Welt. Und dieser Geist ist ausgesandt, um alles neu zu erschaffen. Die Leidenschaft Gottes geht an alle und diese leidenschaftliche Liebe Gottes und der leidenschaftliche Geist Gottes wird Kirche dort, wo Menschen ergriffen sind und sich einlassen.“ Gottes Geist wirke in vielen Menschen, die mit der Kirche nicht verbunden seien. Es gelte, demütig und selbstbewusst von diesen Menschen zu lernen, damit das Evangelium auf zeitgemäße Art und Weise verkündigt werden könne.  

Ein Perspektivwechsel ist nötig

Eine der wichtigsten Tugenden, die Menschen in der Kirche zu lernen hätten, sei, mit Leidenschaft und Vertrauen auf das Wirken des göttlichen Geistes positiv in die Zukunft zu blicken. „Nicht das Sterben des Herbstes sehen, auch nicht die Abwehr, Trauer und Depression der Winterkälte, sondern das Vertrauen auf die Verheißung des Frühlings“, warb er für einen Perspektivenwechsel. Kirche dürfe heute nicht mehr von ihrer Institution her beschrieben werden, sondern allein von der Frage, ob an einem Ort die Gegenwart Gottes und damit die Fülle des Lebens erfahrbar und spürbar werde. „Kirche ereignet sich heute nicht nur in Kirchen, sondern an ganz vielen Orten – ungeahnten Orten -, wo Menschen das Evangelium anschmecken, wo sie miteinander Gemeinschaft leben, sodass die Fülle des Lebens da ist“, sagte Hennecke. In diesem Kontext sei es nötig, erheblich katholischer zu werden. „Katholischer heißt aber weiter, offener, umfassender.“ Dies sei die eigentliche Bedeutung des Wortes.

Struktur und Institution werden nicht überflüssig

Hennecke machte deutlich, dass durch ein solches Verständnis und Denken der Kirche von ihrem Auftrag her die Strukturen und Institution Kirche nicht überflüssig werde: In Anlehnung an Aussagen von Papst Franziskus stünde sie vielmehr im Dienst für die Menschen. Bischöfe, Generalvikariate, Priester und Hauptberufliche seien dafür da, um zu dienen und dabei zu unterstützen, damit der Geist Gottes Menschen erfüllen könne. Kirche aus diesem Verständnis heraus zu leben bedeute, mit einem österlichen Blick auf die Welt zu schauen: „Ostern heißt nun mal, dass etwas stirbt, bevor es auferstehen kann. Eine solche Sicht zu leben heißt, die Krisen wahrzunehmen, aber nicht sie zu verhindern. Es heißt zu wissen: Da wo das geschieht, beginnt etwas Neues.“

Die Fastenpredigten im Limburger Dom stehen in diesem Jahr unter dem Leitwort „Das Evangelium und die Zeichen der Zeit“. An den fünf Fastensonntagen lädt das Domkapitel jeweils um 17 Uhr in den Hohen Dom zu Limburg ein. Am Sonntag, 4. März, spricht Jesuitenpater Michael Sievernich, Professor an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt zum Thema „Gottes Menschenrechte wahren“. Die Liturgie leitet Weihbischof Thomas Löhr.

© Mann/Bistum Limburg
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Fastenpredigt Christian Hennecke