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Neue Impulse für die Trauerpastoral
Neue Impulse für die Trauerpastoral

Neue Impulse für die Trauerpastoral

FRANKFURT.- Peter Alexander und Andrea Berg statt Gotteslob, virtuelle Gedenkorte anstelle von Grabsteinen, Friedwälder statt Gräber: Die Trauer- und Bestattungskultur in Deutschland verändert sich rasant. Wie katholische Kirche auf den Wandel reagieren und das christliche Verständnis von Sterben und Tod wieder ins Bewusstsein rufen kann, war am Donnerstag, 21. September, Thema im Frankfurter Zentrum für Trauerseelsorge St. Michael. Zu der Veranstaltung unter dem Motto "Tote begraben - Trauernde trösten" kamen 40 Haupt- und Ehrenamtliche. Ziel war es, die Akteure miteinander zu vernetzen und Ideen für künftige Erkundungsprojekte zu sammeln.

Bestattungen müssen pflegeleicht und günstig sein

"Möglichst günstig und pflegeleicht" sollten Beerdigungen für die trauernden Angehörigen heute sein, sagte Pfarrer Joachim Metzner, Leiter des Zentrums für Trauerseelsorge, über die aktuellen Entwicklungen in der Trauer- und Bestattungskultur. 6.230 christliche Bestattungen gab es 2016 im Bistum Limburg. 2015 waren es noch 6.597. Die Zahl sei in den vergangenen Jahren zurückgegangen, obwohl die Gesellschaft zunehmend älter geworden sei. Statt Erdbestattungen gebe es laut Metzner heute immer häufiger Feuerbestattungen. "Mit einer Urne kann man alles machen. Das führt zu Diversifizierung", betonte Metzner. Friedwald- oder Seebestattungen seien ebenso möglich, wie "die Asche mit einer Rakete ins All zu schießen". Beerdigungen würden heute stärker als früher inszeniert, gleichzeitig werde Tod und Sterben bagatellisiert und zunehmend tabuisiert. Metzner stellte außerdem eine zunehmende Entfremdung der Menschen von liturgischen Riten und Gottesdiensten fest. Die Kirche müsse diese Trends zur Kenntnis nehmen. "Kirche darf nicht mehr hinterherhinken." Die Arbeit an diesem Thema sei wichtig und wertvoll.

Mit anderen Bistümern auf dem Weg

Neben dem Bistum Limburg beschäftigen sich auch andere Bistümer in Deutschland mit den Veränderungen in der Trauerpastoral und Bestattungskultur. Eva-Maria Will, seit 2015 Referentin für Trauer- und Bestattungskultur im Erzbistum Köln, berichtete über Erfahrungen aus ihrer Arbeit und verschiedener Projekte. Dabei müsse nicht von Null angefangen werden, es gebe in den Pfarreien bereits zahlreiche Initiativen, Projekte und Erfahrungswerte. Projekte und Ideen transparent und sichtbar zu machen, sei zu Beginn ein wesentlicher Teil der Arbeit gewesen. "Es gibt bereits sehr viel", betonte Will. Dieses Potenzial müsse nur genutzt werden.

Seit 2017 werden im Erzbistum Ehrenamtliche ausgebildet, damit sie in ihrer Pfarrei den Bestattungsdienst ausüben können. Das Erzbistum habe damit positive Erfahrungen gemacht. "Es gab Vorbehalte auf verschiedenen Seiten", berichtete Will. Zu Beginn des Pilotprojektes 2016 seien Priester skeptisch gewesen, pastorale Mitarbeiter hätten sich zu wenig berücksichtigt gesehen. Für die Akzeptanz des neuen Modells sei laut Will wichtig gewesen, die Ausbildung der Ehrenamtlichen eng an die Pfarrei zu binden. Der Pfarrer vor Ort und das Seelsorgeteam entscheiden, wer ausgebildet werde.

Beerdigen ist Christenpflicht

Wie vielseitig das Themenfeld ist, wurde in kleinen Diskussionsgruppen deutlich. Von neuen Formen des Abschiednehmens, der Gestaltung der Liturgien über die Ausbildung Ehrenamtlicher bis hin zu Möglichkeiten einer Enttabuisierung von Tod und Sterben wurden bestehende Projekte zusammengetragen und neue Ideen und Wünsche gesammelt.

Die Trauerpastoral der Kirche sei vielfältig, betonte Dr. Susanne Gorges-Braunwarth, Leiterin der Abteilung Pastoral in Netzwerken und Organisatorin der Veranstaltung. Kirche insgesamt könne sich hier wieder stärker profilieren. Und auch die Rolle der Gemeinde müsse neu diskutiert werden. "Wir wollen an Vorhandenem anknüpfen und Vernetzung wagen", betonte Gorges-Braunwarth. Haupt- und Ehrenamtliche könnten gemeinsam den Trauerdienst ausüben. (clm)

Die Pfarreien und Pfarreien neuen Typs sind eingeladen, sich mit innovativen Ideen und Vorhaben als Erkundungsprojekt zu bewerben. Die Pfarreien erhalten dafür vom Bistum Limburg Unterstützung und Beratung. Weitere Informationen bei Dr. Susanne Gorges-Braunwarth, Abteilungsleiterin Pastoral in Netzwerken, unter Tel. 06431/295-582 sowie per Email unter s.gorges-braunwarth@bistumbistumlimburglimburg.de