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Ohne Nachhaltigkeit ist alles für die Katz?

Ohne Nachhaltigkeit ist alles für die Katz?
Ohne Nachhaltigkeit ist alles für die Katz?

KÖLN/LIMBURG.- Etwa 25 Mitarbeiter des Bistums Limburg aus den Bereichen Pastoral und Caritas haben sich am Dienstag, 9. Mai, über das Sozialraum-Projekt von Pfarrer Franz Meurer in Köln informiert. Eingeladen hatte Dr. Susanne Gorges-Braunwarth.

Meurer, seit 25 Jahren Pfarrer in Köln-Vingst und Höhenberg, initiierte zahlreiche Hilfsprojekte für die Menschen in seiner Pfarrei. Darunter Essensausgabe, Kleiderkammer, die bekannte Ferienfreizeit HöVi-Land sowie Programme für Erwerbslose und Flüchtlinge. Auch die Bepflanzung und Pflege von Grünflächen ist von ihm angestoßen worden. „Wenn man nichts nachhaltig macht, ist alles für die Katz?“, erklärt er der Limburger Gruppe.

Bei einem Spaziergang durch das Viertel erläuterte Meurer der Gruppe sein Konzept: „Wir arbeiten mit allen Menschen guten Willens zusammen.“ Ihm ginge es darum, das Viertel gemeinsam mit den Menschen zu gestalten und zu schaffen, was notwendig sei. So habe man inzwischen drei Boxen mit Spielzeug aufgestellt, Geräte für die Pflege von Grünanlagen angeschafft und unterstütze den Bau von Spielplätzen.

Pfarrer Meurer im Video

Er steuerte verschiedene Punkte an, darunter den Vingster Treff, ein interkulturelles Zentrum mit Erwerbslosenberatung. In der Vedelswerkstatt bietet der Vingster Treff auch Nähkurse an, die von Frauen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Nationalität besucht werden. „Menschen stabilisieren und ihr soziales Netzwerk erweitern“, beschreibt Petra Bachheim das Ziel des Treffs. Meurer betonte vor allem die Hilfsbereitschaft der Gemeindemitglieder: „Wenn ich am Sonntag sage, wir brauchen Nähmaschinen, dann kommen die auch.“ Er betonte damit die hohe Bedeutung von Netzwerken in der Sozialpastoral.

Susanne Arens, Leiterin des SKM-Familienzentrums Vingst, berichtete über die Arbeit der Kindertagesstätten. „Wir nehmen hier auch die Kinder, die bei anderen Kitas eventuell abgelehnt werden würden.“ Von den etwa 50 Kindern zwischen 0 und 6 Jahren hätten 95 Prozent einen Migrationshintergrund, so Arens. Wichtig sei ihr auch die Beratung der Eltern: „Wir haben die komplette Bandbreite von Problemen: Verwahrlosung, Suchtprobleme, fehlende Integration.“ Bei allen Herausforderungen lege sie jedoch Wert darauf, dass die Kinder sehr offen für andere Kulturen seien. „Unsere Kita ist international, interkulturell und ? obwohl wir großen Wert darauf legen, dass wir eine katholische Einrichtung sind ? auch interreligiös.“ Die Kinder gingen nahezu geschlossen zu den sieben angebotenen Gottesdiensten, auch die Eltern seien sehr offen, so Arens.

Meurer zeigte der Gruppe auch seine nach der Zerstörung durch ein Erdbeben umgebaute Kirche. Während im Obergeschoss die Gebets- und Begegnungsräume zu finden sind, besteht das Untergeschoss aus Wirtschaftsgebäuden, darunter Kleiderkammern, Werkstätten und Essensausgabe. „Wir verteilen so ein bisschen den Überfluss der Gesellschaft um“, sagte Meurer mit Blick auf hunderte von Schokoladeneiern. Vieles von dem, was gespendet würde, stammt aus den Verpflegungspaketen von Polizisten bei Demonstrationen ? oder eben aus dem Kölner Karneval. „Da gibt es immer was, das bestellt, aber nicht abgeholt wird“, erklärt der Pfarrer. Auch stellt seine Pfarrei Kommunionkindern Anzüge und Kleider unentgeltlich zur Verfügung, ebenso wie hochwertige Schulranzen zur Einschulung.

Die Besucher aus dem Bistum Limburg zeigten sich begeistert von dem Engagement, rege Diskussionen waren die Folge. „Hier ist etwas ganz Großes aufgebaut worden“, so der einhellige Tenor. (hm)